Multiple Chemical Sensitivity (MCS) – vielfache Chemikalienunverträglichkeit

Wenn die Umwelt krank macht

In der letzten Woche war ich für ein paar Tage in Mittenwald. Da war ich wieder mit meiner Chemikalienunverträglichkeit konfrontiert. Ein nett eingerichtetes Hotelzimmer stellte sich nach kurzer Zeit als unverträglich (unerträglich) für mich heraus. Die wohl recht neuen Kunststoffmöbel (Holzimitat) gaben einen kaum wahrnehmbaren Geruch ab (Formaldehyd? Klebstoff? Lack?). Ich bemerkte, wie sich ein zunehmend benommenes Gefühl in meinem Kopf einstellte und handelte schnell, indem ich mit meinem Partner, der ein Zimmer mit älteren Möbeln hatte, die Zimmer tauschte. Die Nachwirkungen hielten noch ein paar Stunden an: Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte Gedächtnisleistung … Für den Rest des Tages hatte ich jedenfalls keinen klaren Kopf mehr.

Überall wo ein Geruch ist, sind Duftmoleküle in der Luft (die in Gestalt und Größe variieren und in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommen). „Duftmoleküle“ – das hört sich einigermaßen freundlich an. Ist es aber nur, wenn zum Beispiel eine naturbelassene Rose ihren Duft verströmt. Das, was in der Luft liegt, kann das Wohlbefinden beeinträchtigen, Allergien auslösen und die Gesundheit schädigen. Menschen, die unter einer multiplen Chemikalienunverträglichkeit leiden, haben schon mit kleinsten Mengen von Chemikalien in der Luft große Probleme.

Was ist MCS?
Das Syndrom der Vielfachen Chemikalienunverträglichkeit (Abkürzung MCS von Multiple Chemical Sensitivity) gilt als eine Umwelterkrankung, da sie mit der zunehmenden Umweltverschmutzung in Verbindung gebracht wird. Sie ist eine chronische Krankheit mit zum Teil starken Unverträglichkeiten von vielfältigen flüchtigen Chemikalien, wie z. B. Duftstoffen, Zigarettenrauch, Lösemitteln oder Abgasen, auch in jeweils niedriger Konzentration, die von anderen Personen noch problemlos toleriert werden. Die Beschwerden sind unspezifisch, dazu gehören: Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Störungen der Merkfähigkeit, Schwindel, Koordinationsstörungen, Muskelschmerzen, diffuse Schmerzen.

Oft können Menschen, die an MCS leiden, schon ganz alltägliche Belastungen mit Duftstoffen und Chemikalien nicht vertragen: Duftstoffe in Parfüms, Seifen, Raumsprays und so genannten Luftverbesserern (WC-Duftsteine, Duftbaum fürs Auto usw.), Pflege- und Reinigungsmitteln; Ausdünstungen von neuer Kleidung, von Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen (Formaldehyd!), von Baumaterialien und Farben, von weichen Kunststoffen (Weich-PVC!), Zigarettenrauch, Ausgasungen von Öfen … Typischerweise bessern sich die Symptome oder vergehen ganz, wenn die Auslöser gemieden bzw. entfernt werden.

MCS geht häufig mit verschiedenen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten und erhöhter Elektrosensibilität einher. Die chronische Erkrankung MCS, die mit vielen Einschränkungen im modernen Leben verbunden ist, kann zu Konflikten in der Familie, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz führen, im schlimmsten Fall zu sozialer Isolation, weil die Betroffenen so viele Umgebungen meiden müssen.

Wie kommt es zu MCS?
MCS ist zumeist die Folge einer sehr hohen Schadstoffbelastung durch chemische Schadstoffe wie Lösungsmittel (in Lacken, Farben, Klebstoffen, Fleckentfernern), Holzschutzmittel, Insektizide, Konservierungsmittel (Formaldehyd), bestimmte Metalle und Metalllegierungen, Verbrennungsprodukte usw. und durch Schadstoffgemische.

Ist MCS heilbar?
Eine Heilung von MCS ist nicht möglich. Es kann lediglich eine deutliche Befindlichkeitsverbesserung erreicht werden, indem alle Chemikalien, die krankmachende Reaktionen auslösen, so gut es eben geht gemieden werden, Reizstoffe in der unmittelbaren Umgebung beseitigt werden. Die Menschen müssen sich in möglichst schadstoffarmen Räumen wohnen und arbeiten und sich viel im Freien an der frischen Luft aufhalten. Experten weisen immer wieder darauf hin, dass häufig gerade unsere Wohnungen, in denen wir Erholung suchen, stark mit Wohngiften belastet sind.

Hochsensible leiden häufiger an MCS
Ich vermute einmal, dass in der Gruppe der Menschen, die unter MSC leiden (nach behördlichen Schätzungen in den USA ca. 16 % der US-Bevölkerung!), Hochsensible überproportional vertreten sein dürften, weil bei ihnen die Schwelle für die Schadstoffmenge, die der Körper noch wegstecken kann, ohne allergisch zu reagieren und krank zu werden, niedriger liegt als bei Nicht-Hochsensiblen. Umgekehrt kann eine handfeste Vergiftung mit chemischen Substanzen natürlich auch zu einer erworbenen Hochempfindlichkeit führen.

Vielfältige weiterführende Informationen: www.csn-deutschland.de

Ulrike Hensel

ist seit 1999 selbstständig als Lektorin und Textcoach für Selbstständige und bietet seit 2010 außerdem Coaching für Hochsensible an. In ihren Coachings und Workshops unterstützt sie Hochsensible darin, sich in ihrer hochsensiblen Wesensart zu erkennen und ihr Leben im Einklang damit zu gestalten. Als Autorin möchte sie Einsichten ermöglichen, ermutigen und inspirieren. Ihr Grundlagenbuch zum Thema Hochsensibilität hat den Titel "Mit viel Feingefühl - Hochsensibilität verstehen und wertschätzen" (Junfermann). An Fachleute im Coaching und in der Beratung richtet sich ihr zweites Buch "Hochsensible Menschen im Coaching - Was sie ausmacht, was sie brauchen und was sie bewegt" (ebenfalls Junfermann). Ein weiteres Buch ist in Arbeit ...

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrte Fr.Hensel,
    Durch Zufall bin ich im Internet auf ihren Artikel “ Wenn die Umwelt krank macht“ gestoßen. Sie sprechen mir damit von der Seele denn unser körper wird im täglichen Umgang mit Chemikalien stückchenweise vergiftet.
    Ich bin ökologische Reinigungsberaterin aus Österreich und vertrete die österreichische Firma ENJO – ENJO ist eine spezielle Faser die komplett CHEMIEFREI UND NUR MIT WASSER reinigt und das um 6mal sauberer und hygienischer als jedes Putzmittel. ich habe 2 Kinder und reinige meinen gesamten Haushalt berets seit 7 jahren völlig ohne Chemie. Ich habe in einigen Tagen eine Kundenpräsentation und würde gerne ihren Artikel-mit ihrer Erlaubnis meinen Kunden vortragen.
    mit lieben grüssen aus österreich
    Bernadette S.

    viell.sehen sie sich mal unsere Homepage an. http://www.enjo.net

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    • Hallo Bernadette,
      ich sehe Ihren Kommentar jetzt erst. Entschuldigen Sie, dass Sie so lange auf eine Antwort warten mussten.
      Ich freue mich, wenn Sie den Inhalt meines Artikels Ihren Interessenten vortragen. Ohne Chemie putzen – das ist eine gute Sache!
      Viele Grüße nach Österreich
      Ulrike

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