Hochsensibilität verstehen

Hochsensible Menschen sind wesentlich sensibler als die meisten anderen

Hochsensible unterscheiden sich von Geburt an von der Mehrheit der Menschen durch ihre ausgeprägte Feinfühligkeit und ihre erhöhte Empfänglichkeit für äußere und innere Reize – Geräusche, optische Eindrücke, Gerüche, Geschmacksempfindungen, Einwirkungen auf die Haut und den Körper, Stimmungslagen anderer, eigene Emotionen und Vorstellungen …

Durch die Besonderheit in der Reizverarbeitung nehmen Hochsensible intensiver und detaillierter als andere wahr, sie nehmen mehr Informationen bewusst auf und verarbeiten diese gründlicher. Mit andauernden Geräuschen, Lärm, schlechter Luft, grellem Licht, Druck, Reibung, kratzigen Kleidungsstücken, Zugluft kommen sie weitaus schlechter zurecht als nicht-hochsensible Menschen. Hochsensible haben schwächere neurologische Wahrnehmungsfilter, können störende Einflüsse kaum ausblenden, fühlen sich dadurch schnell abgelenkt und genervt.

Ein Charakteristikum, das allen Hochsensiblen gemeinsam ist: Im Vergleich zu nicht-hochsensiblen Menschen erreichen sie deutlich früher einen Zustand der Reizüberflutung und Überstimulation. Dann haben sie die Tendenz zum Rückzug, um wieder zu sich zu finden und sich zu erholen. So erklärt sich auch ihr zumeist erhöhtes Schlafbedürfnis.

Das Phänomen bekommt einen Namen

Die amerikanische Universitätsprofessorin und Psychotherapeutin Dr. Elaine N. Aron hat sich seit den 1990er Jahren in langjähriger Forschungsarbeit eingehend mit dem Thema Hochsensibilität auseinandergesetzt und auch zahlreiche Bücher veröffentlicht. Sie hat für hochsensible Menschen den Begriff „Highly Sensitive Person“ (HSP) geprägt. Die Abkürzung wird mittlerweile auch im deutschen Sprachraum verwendet. Ihre Erkenntnis: 15–20 % der Menschen (gleichermaßen Männer wie Frauen) gehören zu der Gruppe der Hochsensiblen.

Elaine Aron, selbst hochsensibel, plädiert für eine neutrale Betrachtung der hochsensiblen Wesensart und ein neues Selbstbewusstsein der HSP. Schließlich verfügen sie über eine Reihe wertvoller natürlicher Begabungen: Beobachtungsgabe, Detailwahrnehmung, übergreifendes Denken, Gefühlstiefe, Einfühlungsvermögen, ausgeprägte Intuition, Sinn für Ästhetik, Kreativität …

Siehe auch „Die 7 Gaben hochsensibler Menschen“ auf myMonk.de

Eine Besonderheit – kein Makel

Hochsensible Menschen sind leichter zu irritieren und zu verunsichern, haben häufig Selbstzweifel, empfinden sich selbst aufgrund der Reaktionen ihrer Umwelt nicht nur als anders, sondern oft auch als nicht zugehörig, als nicht in Ordnung. Sätze wie „Sei nicht so empfindlich“, „Das bildest du dir nur ein“ und „Was hast du jetzt schon wieder?“, die sie in ihrem Leben unzählige Male gehört haben, haben ihr Selbstbild nachhaltig geprägt. Leider wird die Hochempfindlichkeit häufig als Schwäche oder gar als Krankheit angesehen, was den Hochsensiblen überhaupt nicht gerecht wird.

Es ist wichtig, hier aufzuklären, das Bild zurechtzurücken und die Stärken zu betonen. Es sind oftmals besonders die Hochsensiblen, die ausgesprochen verantwortungsbewusst, gewissenhaft und zuverlässig sind, die vorsichtig und umsichtig sind, vorausschauend und in größeren Zusammenhängen denken, die sich für mögliche Auswirkungen von Handlungen interessieren, die sich mit Idealismus für eine bessere Welt einsetzen. In der Vielfalt der Menschen liegt eine große Chance, weil jeder sich mit seinen Stärken und Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen kann.

Siehe auch „Hochsensible Menschen – Wer sie sind und was sie wirklich brauchen“ auf myMonk.de

Selbsterkenntnis ermöglicht Selbstannahme

Es hilft den hochempfindlichen Menschen, wenn sie zu mehr Verständnis für sich selbst gelangen, sich selbst mit ihren Besonderheiten mehr achten und wertschätzen und ihre eigenen, besonderen Bedürfnisse wichtig nehmen. Ein Coaching, das auf die Ansprüche hochsensibler Menschen eingeht, kann beim selbstbewussten Umgang mit der eigenen Hochsensibilität im beruflichen und privaten Alltag wirkungsvoll unterstützen.

      Sein ist wahrgenommen werden.
      George Berkeley

Test: Fragen, die Aufschluss geben „Bin ich hochsensibel?“
Meine Bücher zum Thema Hochsensibilität

  • © 2013 - 2017 Ulrike Hensel
Top